Der explodierende Sozialstaat

Eine bequeme Erzählung für eine unbequeme Wirtschaftslage.

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“Die Kosten explodieren nicht nur bei der Migration, sondern im gesamten sozialen Bereich”, erklärte Markus Söder gegenüber der Augsburger Allgemeinen.1 Dabei bedient er ein Narrativ, das derzeit nur allzu weit verbreitet ist: der angeblich aus dem Ruder laufende Sozialstaat. Doch was steckt tatsächlich hinter dieser Behauptung?

Zu den angeblich explodierenden Sozialausgaben zählen hauptsächlich die Leistungen der Renten- und Krankenversicherung, Pflegeleistungen, Kindergeld sowie Sozialhilfe und Bürgergeld. Die Sozialleistungsquote wiederum gibt an, welchen Anteil die Sozialausgaben an der gesamten Wirtschaftsleistung eines Landes haben. Sie dient als Kennzahl zur Beurteilung des Umfangs des Sozialstaats und ermöglicht Vergleiche sowohl zwischen verschiedenen Ländern als auch über längere Zeiträume hinweg.

Die Entwicklung der Sozialleistungsquote in Deutschland seit der Wiedervereinigung zeigt zwar einen Anstieg von 24,8 auf 31,2 Prozent, allerdings über einen Zeitraum von mehr als dreißig Jahren. Dieser Zuwachs reicht nicht einmal ansatzweise aus, das vielfach bemühte Narrativ des “explodierenden” Sozialstaats in Deutschland zu belegen.

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Tabellenwerte und Quellenangabe.2

Auch im Vergleich mit Frankreich, Großbritannien und Italien, den drei anderen europäischen G7-Staaten, bleibt von dieser Erzählung wenig übrig. Der behauptete Sonderweg Deutschlands in Richtung eines überbordenden Sozialstaats erweist sich als ein politische zugespitztes Narrativ, dem die empirische Grundlage schlicht fehlt.

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