Demographie und Mathematik
"Demographie und Mathematik der gesetzlichen Rentenversicherung."
Auf dem Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) nannte Friedrich Merz die Rentenreform das “härteste Brett”. Die Notwendigkeit einer Reform sei jedoch, so Merz, weder Ausdruck von “Bösartigkeit” seinerseits noch der Bundesregierung, sondern das Ergebnis von “Demografie und Mathematik”. Hat der Kanzler damit Recht?
Während 1991, nach der Wiedervereinigung, noch 2,7 Erwerbstätige auf einen Rentner kamen, waren es 2025 nur noch 2,1 Beitragszahler, die einen Rentner finanzierten. Dieser Rückgang vollzog sich jedoch über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren, also über eine ganze Generation, was zunächst einmal die Vorstellung eines bevorstehenden Zusammenbruchs des Rentensystems relativiert.
Der demografische Wandel vollzog sich zudem nicht in einer wirtschaftlichen Stagnation, sondern parallel zu einem anhaltenden Wirtschafts- und Produktivitätswachstum. Zwar kamen 2025 nur noch 2,1 Erwerbstätige auf einen Rentner statt 2,7 im Jahr 1991. Gleichzeitig erwirtschaftete jeder Erwerbstätige jedoch deutlich mehr als drei Jahrzehnte zuvor.
Seit Anfang der 1980er Jahre hat sich die Wertschöpfung pro Kopf nahezu verdoppelt. Von diesem Wachstum kam bei den Beschäftigten jedoch nur ein Teil an: Die Bruttolöhne stiegen lediglich um etwa ein Viertel. Noch geringer fiel der Zugewinn bei den Rentnerinnen und Rentnern aus, deren Kaufkraft nahezu auf dem Niveau der späten 1980er Jahre verharrt. Während sich Wirtschaftsleistung, Bruttolöhne und Standardrente bis Mitte der 1980er Jahre weitestgehend parallel entwickelten, haben sich deren Verläufe zunehmend voneinander entkoppelt.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Blick auf die Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung. Dabei zeigt sich, dass der Anteil des Bruttoinlandsprodukts, der für die gesetzliche Rentenversicherung aufgewendet wird, von 10% im Jahr 1991 auf 12% im Jahr 2024 gestiegen ist. Dieser Anstieg um lediglich zwei Prozentpunkte innerhalb von mehr als drei Jahrzehnten kann kaum als dramatisch bezeichnet werden.